Inklusion Bewegen – für und mit Menschen mit Behinderung:
Nachrichten aus den Arbeitsgruppen.

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Inklusion Bewegen

für und mit Menschen mit Behinderungen

Newsletter Nr. 2



Blindenfußball-EM in London

Interview mit Dr. Rolf Husmann, Team-Manager der deutschen Blindenfußball-Nationalmannschaft

Herr Husmann, Blindenfußball wird in Deutschland seit knapp 10 Jahren gespielt. Woher kam der Anstoß zu dieser überraschenden Sportart?
Das erste offizielle Spiel hat im Vorfeld zur Fußball-WM 2006 stattgefunden. Das hat für so viel Aufmerksamkeit gesorgt, dass gleich danach die Bundesliga gegründet wurde. Dahinter steckt aber nicht etwa eine besonders kreative Idee für einen neuen Blindensport, sondern die Lust, gegen den Ball zu treten. Alexander Fangmann, Kapitän der Nationalmannschaft, hat das mal auf den Punkt gebracht: „Wir sind keine Blinden, die Fußball spielen, sondern Fußballer, die blind sind.“ Fußball gespielt haben Blinde wahrscheinlich schon immer, nur eben im Privaten ohne Verband oder Liga. Als Sportart schafft der Blindenfußball dafür nur den Rahmen: denn einfach bei den Sehenden mitspielen, das können Blinde nicht.

Die Ballkontrolle und Passgenauigkeit sind beeindruckend. Können Sie erklären, wie das funktioniert?
Beim Blindenfußball läuft viel über das Gehör. In den Ball sind kleine Metallplättchen eingebaut, die beim Rollen rasseln. Außerdem ist die Kommunikation entscheidend: Die Spieler müssen dem Ballführenden zurufen, damit er weiß, wo sie sind. Sehr wichtig ist auch, dass die Spieler ihren Platz in der Formation einhalten. Hinter der Ballkontrolle steckt natürlich viel technisches Training – die Technik beim Dribbling und bei der Ballannahme funktioniert zum Beispiel ganz anders.

Dürfen auch Sehende mit Augenbinde mitspielen und haben diese überhaupt eine Chance mitzuhalten?
Wie gesagt: Blinde können beim „normalen“ Fußball nicht ohne weiteres mitspielen. Es braucht schon besondere Regeln und anderes - zum Beispiel die Banden an den Außenlinien – damit Blinde Fußball spielen können. Darum finde ich es so wichtig, dass beim Blindenfußball alle mitspielen dürfen. Anders als bei internationalen Spielen ist das in der Bundesliga auch erlaubt. Ich nenne das „reversible Inklusion“, also umgedrehte Inklusion. Allerdings muss man das schon etwas einüben. Die Blinden-Nationalmannschaft soll einmal gegen die Profis von Borussia Dortmund gewonnen haben. Blindenfußball funktioniert eben anders.

Welche Entwicklungen gibt es aktuell im Blindenfußball und was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Ich würde mir wünschen, dass es mehr Zusammenarbeit und Unterstützung durch den DFB gibt. Davon könnten auch sehende Spieler profitieren. Die finanzielle Situation im Blindenfußball ist sehr schlecht. Für die Spieler würde ich mir bessere Trainingsbedingungen, mehr Sicherheit und Zukunftsaussichten wünschen. Denn eines ist klar: unsere Spieler sind faszinierende Persönlichkeiten, denen der Sport Mut, Orientierung und Selbstvertrauen verschafft. Und das ist auch meine Motivation für meine ehrenamtliche Arbeit, den Sport bekannter zu machen.



Göttingen – Stadt, die weiß, wie man Wohnungen schafft…

… und zwar für alle Menschen in Göttingen.

Dieses Motto, verbunden mit einer Wiederaufnahme des sozialen Wohnungsbaus, ist als Ziel der Wohnungspolitik in Göttingen wünschenswert. Die AG Wohnen hat sich intensiv mit diesem Thema beschäftigt. Denn ein inklusives Gemeinwesen kommt allen, und nicht nur den Menschen mit Beeinträchtigungen zu Gute.

Beim letzten Treffen stellte Herr Ohlow von der Stadt- und Verkehrsplanung den neuen Flächennutzungsplan vor. Er ist das zentrales Steuerungsinstrument der Stadtentwicklung und Grundlage für Bebauungspläne.

  • Bis zum Jahr 2025 fehlen in Göttingen ca. 3.900 Wohneinheiten: 1.210 in Ein- oder Zweifamilienhäusern und knapp 2.700 in Mehrfamilienhäusern.
  • dafür werden 100 ha an Bauflächen benötigt, 75 ha davon zu erschließende Flächen auf 45 Vorschlagsflächen
  • damit kann der Bedarf gedeckt werden mit überwiegend Geschosswohnungsbau im zentralen Stadtgebiet und Einfamilienhäusern eher in den Außenbereichen

Insgesamt also ein günstiger Zeitpunkt für das Thema Wohnungsmarkt. Die AG wird dazu konkrete Haltestellen im Fahrplan Inklusion vorschlagen:

  • Förderung des sozialen Wohnungsbaus in Göttingen
  • Ziel: Eine Zehn-Prozent-Quote für Menschen mit Beeinträchtigungen
  • GT- Rubrik: „Vermietung barrierefreier Wohnungen“
  • Wegweiser „Barrierefreier Wohnraum“ – Entwicklung eines „Marktplatzes Wohnen“
  • Anreize für Vermieter schaffen

Als nächstes beschäftigt sich die AG mit der Frage: Was ist mit „Inklusives Wohnen“ gemeint? Welche Haltestellen kann es hierfür geben?
Einige erste Ideen hierzu:

  • Sozialplanung inklusiv
  • Beratung für inklusive Wohnformen verbessern
  • Einrichtungen und Dienste: Öffnung in den Sozialraum
  • Bürgerschaftliches Engagement und Ehrenamt
  • Kommunikation im Stadtteil / Stadtteilzentren
  • Individuelle Teilhabeplanung
  • Index für Inklusion zum Wohnen in der Gemeinde
  • Unterstützung / Ausbau gemeindenaher Wohnformen

Natürlich sind wir auch weiterhin kein exklusiver Kreis von Experten - wir freuen uns über jede und jeden,
die / der mitmachen und sich beteiligen möchte.

für die AG Wohnen Andreas Südbeck-Bujara





AG-Treffen

Alle Treffen der Arbeitsgruppen finden Sie hier.

Termine

19.09.2015, 10 Uhr: Tag der Gehörlosen

Felix-Klein-Gymnasium, Böttinger Str. 17, 37073 Göttingen
Auf der Seite des GVB gibt es im unteren Seitenbereich ausführliche Infos.

12.10.2015, 10- 17 Uhr „Auf Augenhöhe“ heißt das Thema der Woche des Sehens 2015.
Universitätsmedizin Göttingen, Robert-Koch-Str. 40 (Nordeingang), 37075 Göttingen
Weitere Infos...

Nette Rampe

Einheitsrampe für ein barrierearmes Göttingen

Ein wesentliches Ziel des Inklusionsforums der Stadt Göttingen ist die Verbesserung der Teilhabe für alle Menschen in sämtlichen Lebensbereichen. Ein wichtiger Baustein ist die Erreichbarkeit von Geschäften, Arztpraxen, Cafés, Restaurants und privatwirtschaftlich betriebenen Einrichtungen öffentlichen Interesses. Aktuell sind mobilitätseingeschränkte Menschen von vielen Aktivitäten in der Innenstadt ausgeschlossen. Häufig geschieht dies durch einzelne Stufen: Sie bilden für Rollstuhlfahrer eine nicht zu überwindende Barriere.

Deshalb hat das Ingenieurbüro Steinbock gemeinsam mit der Arbeitsgruppe Mobilität das Konzept Nette Rampe entworfen. Die Idee: Vor jede betriebliche Einrichtung öffentlichen Interesses soll eine transportierbare Rampe installiert werden. Für die Ladenbetreiber ist eine möglichst einfache Umsetzung geplant. Daher soll die Rampe durch ein von der Stadt Göttingen beauftragtes Gremium eingekauft und vertrieben werden. So kann den Geschäften eine fertige Lösung angeboten werden. Den Ladenbesitzern sollen ein möglichst geringer Aufwand und niedrige Kosten durch die Anschaffung entstehen. Dies kann durch eine Sammelbestellung sowie mit Hilfe eines Sponsoring-Konzepts und einer finanziellen Unterstützung durch die Stadt Göttingen erreicht werden. Außerdem sieht das Konzept ein Anreizsystem für die Betreiber vor, durch das die Rampe für eine positive Außendarstellung genutzt werden kann. Alle Geschäfte, die sich entschließen, eine Nette Rampe anzuschaffen, sollen ein Zertifikat in Form eines Aufklebers erhalten. Dieser zeigt an, dass das Ladengeschäft barrierearm ist.

Das Konzept ermöglicht eine einfache, kostengünstige und werbewirksame Reduzierung von Barrieren in Göttingen und kann über die Stadtgrenzen hinaus als Vorbild dienen.

von Jonas Morgenroth,

Ingenieurbüro Steinbock
Am Landwehrgraben 10
37083 Göttingen

Tel.: 0176 646 21 111
Email.: jonasmorgenroth@web.de

AG Arbeit

von Christine Schwiedernoch und Jana Nischik-Wittig

Das Recht auf Arbeit und Beschäftigung auf Grundlage der Gleichberechtigung von Menschen mit Behinderung ist in Artikel 27 der UN-BRK festgeschrieben. Aber wie sieht die Realität aus?
Das Thema Arbeit kann nicht eingleisig auf finanzielle Aspekte beschränkt werden. Für nahezu alle Menschen ist Arbeit unverzichtbar für Lebenssinn und Lebensfreude.
Die AG Arbeit fragt nach vorhandenen und benötigten Ressourcen. Sie beschäftigt sich außerdem mit der praktischen Umsetzung diverser Möglichkeiten und Ideen in Stadt und Landkreis Göttingen.
Aktuell befassen wir uns mit folgenden Themen:
1. Inklusionsabteilungen und -betriebe
2. Sensibilisierung von Arbeitgebern, Kammern und Öffentlichkeit
3. Zusammenarbeit mit dem Modellprojekt „Mittendrin“
4. Zusammenwirken der verschiedenen Rechtsbereiche und Handlungsmöglichkeiten vor Ort
5. Nutzung des Persönlichen Budgets im Bereich Arbeit
6. Installation einer Beratungsstelle nach dem Motto „Alles unter einem Dach“

Erste Ergebnisse zu Punkt 1 und 2 werden im Herbst 2015 erwartet.
Unter den engagierten Teilnehmenden der AG Arbeit finden sich auch Mitstreiter/-innen aus vorangegangenen Initiativen und Projekten. Zu diesen zählt z.B. das „Göttinger Bündnis für gleichberechtigte Teilhabe am Arbeitsleben“ (gegründet 2013). Erkenntnisse und Erfahrungen daraus konnten innnerhalb der neuen Konstellation genutzt werden.
Das nächste Treffen der AG Arbeit findet am 10.09.2015 um 16.00 Uhr im neuen Rathaus in Raum 1118 statt. Es ist geplant, dass sich das Projekt „Mittendrin“ vorstellt. Es handelt sich dabei um eine auf 36 Monate angelegte Initiative zur beruflichen Integration von Menschen mit Schwerbehinderung in der Region. Gefördert wird sie durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und sie wird von über 20 Kooperationspartnern unterstützt.

Moderiert werden die Treffen der AG Arbeit von Dietmar Linne und Christine Schwiedernoch. Wir laden Interessierte herzlich dazu ein, in unserer AG kreative Ideen einzubringen, neue Wege zu gehen, kritisch zu beleuchten und zu hinterfragen und damit nicht nur die Arbeitsthemen der AG Arbeit zu bewegen, sondern „Inklusion zu bewegen“!



„Erfahrungen sind Maßarbeit. Sie passen nur dem, der sie macht.“

Bericht der AG Sport Freizeit Kultur von Tine Tiedemann und Willi Ballhausen

So könnte man die Schwerpunkte der AG-Sitzung „Freizeit und Sport“ vom 18. Juni in der Sparkassenarena umschreiben. Es gab unter anderem die Möglichkeit, eigene Erfahrungen im Rollstuhlbasketball zu sammeln. Außerdem berichtete der Vorsitzende aus der Vereinsarbeit über das Thema „Sport und Inklusion“. Wir bedanken uns beim Vorbereitungsteam.

Mit einigem Aufwand wurden Rollstühle in die S-Arena geschafft, damit die AG-Teilnehmer selbst einmal Rollstuhlbasketball spielen konnten. Unter fachlicher Anleitung wurde schnell klar, dass Rollstuhlbasketball auf hohem Leistungsniveau, mit spieltaktischem Verständnis und technischer Finesse gespielt wird. Die wertvollste Erfahrung der einstündigen Sportstunde war jedoch : „Der Rollstuhlbasketballer ist der Experte, er kann mir etwas zeigen bzw. beibringen!“ Ein bemerkenswerter Perspektivwechsel für die Teilnehmer.

Die Verantwortlichen des Jugend-Förderverein Eichsfeld haben diesen Wechsel bereits vollzogen. Im Leitbild des Vereins heißt es: „Der JFV Eichsfeld sieht sich nicht nur “auf dem Platz“ sondern auch darüber hinaus in der Verantwortung für die Persönlichkeitsentwicklung und Sozialkompetenz seiner jugendlichen Mitglieder.“ Die Zusammenarbeiten mit dem Tabalugahaus und der Lebenshilfe Duderstadt zeigen die Ausrichtung des jungen Vereins: Er stellt sich der Sportpraxis, aber auch allen gesellschaftlichen Aufgaben und Herausforderungen. Dr. Rüdiger Anhuef, 1. Vorsitzender, sieht gerade in dieser inklusiven Ausrichtung den Nachweis der Gemeinnützigkeit und der Nachhaltigkeit des Vereins.

Es ist selbstverständlich, dass der JFV Eichsfeld jede Person willkommen heißt. Rüdiger Anhuef stellte abschließend fest, dass man sich gerade zu einem inklusiven Verein entwickle.

Aus der sich anschließenden Diskussion leitete die Gruppe drei Handlungsbereiche ab. Mit dieser Struktur soll im Bereich „Sport“ weitergearbeitet werden. Es gilt:

  • eine inklusive Kultur zu initiieren, Teilhabe aller an allem als Prinzip
  • inklusive Strukturen zu schaffen, z. B. inklusive Fortbildungskonzepte, Hallenzeiten für Menschen mit Behinderungen, Menschen mit Behinderungen ehrenamtlich und hauptamtlich im Sport beschäftigen, Pool an helfenden Händen usw.
  • die inklusive Praxis voran zu treiben z. B. durch Überdenken aller Veranstaltungskonzepte, Entwickeln neuer, inklusiver Formate für Sportveranstaltungen in Stadt und Landkreis Göttingen, Bereitstellung geeigneter Sportgeräte und -anlagen, barrierefreie Zugänge – auch sprachlich – schaffen usw.

Das zu entwickelnde Leitbild soll sich an diesen Handlungsfeldern orientieren. Die nächste AG-Sitzung findet am 15.10.2015 statt. Der Akzent liegt dann auf dem Bereich der „Kultur“.


„Weg vom Leistungsdruck!“ - „Eine Schule für alle!“

Bericht der AG Kita/Schule von Nina Zastrow

Mit diesen und anderen Utopien starteten wir am 16. April in das 3. Treffen der AG Kita/Schule. Es ging um die Themen „Übergänge“ und „Koordination“. 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer stellten zusammen, wo es etwas anzupacken gilt; Gemeinsam wurden Lösungsvorschläge überlegt. Neben Vertretern aus den Bereichen Schule und Kita beteiligten sich auch Eltern und Mitglieder des Beirates für Menschen mit Behinderung. Gelungene Koordination wird u.a. verbunden mit der Einrichtung einer Beratungsstelle auf kommunaler Ebene. Diese sollte zentral gelegen und gut erreichbar sein. Daneben wurde der Wunsch nach einer aktuellen Übersicht der vorhandenen Angebote deutlich. Wenn Übergänge besser gelingen sollen, sind z.B. Informationsmaterial, eine Art Wegweiser für Fachkräfte und Eltern, sowie eine gute Ausstattung jeder Schule erforderlich.

„Qualifizierung Fachpersonal“ und „Räumliche Ausstattung“: Diese sehr umfassenden Bereiche standen auf der Tagesordnung unseres 4. Treffens am 11. Juni.

Die Steuergruppe des Projektes „Inklusion bewegen!“ ermöglicht es, Empfehlungen an die Politik zu geben. Daher wurde der Versuch gestartet, entsprechende Ziele zu formulieren. Wie sich herausstellte, passte das Vorhaben nicht in die zur Verfügung stehenden zwei Stunden. Denn: Um welches Fachpersonal geht es überhaupt? Mit der Qualifizierung von Lehrkräften hat doch die Kommune gar nichts zu tun, sondern das Land. Schulbegleitung? Ist das denn überhaupt inklusiv, wenn Schulbegleiter mit im Unterricht sitzen? … Doch auch wenn die Steuergruppe noch keine fertige Empfehlung von uns erhält: Ein sehr guter Einstieg in die Themen ist gelungen! Zum Glück bleibt bis September 2016 Zeit, um weiter an den Zielen rund um inklusive Bildung in Kita und Schule zu feilen.

Wir treffen uns das nächste Mal am Donnerstag, den 17.09.2015 ab 16:00 Uhr in der Aula der BBS Ritterplan, Ritterplan 6, 37073 Göttingen. An diesem Nachmittag erhalten Sie Gelegenheit, einen Blick hinter die Türen der inklusiven Grundschule Berg Fidel in Münster zu werfen – wir schauen gemeinsam den Film „BERG FIDEL – EINE SCHULE FÜR ALLE“.


Klaus Baethge
Geschäftsstelle Inklusion Bewegen (GIB)
Telefon: 0551 / 384 200 850
Fax: 0551 / 506 520 0
E-Mail: K.Baethge@goe-we.de

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