Inklusion Bewegen – für und mit Menschen mit Behinderung:
Nachrichten aus den Arbeitsgruppen.

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Inklusion Bewegen

für und mit Menschen mit Behinderungen

Newsletter Nr. 1

"Bewegt wird hier eine ganze Menge"

Ein Grußwort von Cornelia Rundt

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,
„Inklusion bewegen“ heißt das Modellprojekt in der Stadt und dem Landkreis Göttingen und bewegt wird hier in der Tat eine ganze Menge. Das große Engagement und die Vielfalt der Ideen haben mich bereits im vergangenen Jahr beeindruckt, als ich dieses Modellprojekt in Hannover ausgezeichnet habe. Seither sind viele weitere Aktivitäten hinzugekommen. An einem Inklusionsforum haben gut 180 Interessierte teilgenommen. Das ist ein starkes Zeichen dafür, wie fest der Inklusionsgedanke bereits in der Bevölkerung verankert ist. Der neue Newsletter wird diesen Gedanken weitertragen und Betroffene und Interessierte gleichermaßen mit frischen Informationen versorgen.

Ob und wie Inklusion gelingt, wird nicht am „grünen Tisch“ entschieden, sondern zeigt sich daran, wie man vor Ort, also in unseren Städten, Gemeinden und Landkreisen, die Teilhabemöglichkeiten von Menschen mit Behinderungen realisiert.

Nur gemeinsam können wir die inklusive Gesellschaft verwirklichen. Dabei geht es nicht nur um politische Diskussionen, sondern um ganz konkrete Fragen, die sich den Menschen stellen.

Eine umfassende Barrierefreiheit gehört dazu. Anfänge setzen wir beispielsweise mit einer Reform der niedersächsischen Bauordnung: Langfristig sollen alle Büro-, Verwaltungs- und Gerichtsgebäude im Land barrierefrei werden. Als Sozial- und Bauministerin setze ich außerdem einen Schwerpunkt bei der Wohnraumförderung für Menschen mit Behinderungen, ältere Menschen und pflegebedürftige Menschen. Ich freue mich daher sehr, dass diese erste Ausgabe des Newsletters das aktuelle Thema Wohnen aufgreift.

Den Leserinnen und Lesern wünsche ich eine spannende Lektüre.

Ihre Cornelia Rundt,
Niedersächsische Ministerin für Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Migration



Inklusiven Wohnraum schaffen und gestalten

von Sabine Morgenroth

Der Bereich Wohnen ist für Menschen mit Behinderungen von zentraler Bedeutung Hier besteht großer Handlungsbedarf. Deshalb wurde die Arbeitsgruppe Wohnen gegründet. Sie ist eine lebendige und kreative Gruppe von Menschen aus sehr unterschiedlichen Lebensbereichen.
Im ersten Schritt definierte und gewichtete die AG Wohnen wesentliche Arbeitsfelder, wobei der Bereich „Wohnungsmarkt in Göttingen“ als vorrangig eingestuft wurde. Allenthalben fehle es an bezahlbarem, barrierearmen Wohnraum und inklusiven Wohnformen; eine entsprechende Förderung sei notwendig. Im Bereich Wohnen sei eine deutliche Trennung von Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen zu beobachten. In den anschließenden Sitzungen wurden erste Ergebnisse und Forderungen erarbeitet, die auch in die politische Debatte in Stadt und Landkreis einfließen sollen:

  • Förderung des sozialen Wohnungsbaus in allen Stadtteilen
  • Mietpreisbremse bei Umbau und Renovierung, intensive Zusammenarbeit mit den Wohnungsbaugesellschaften
  • Bevorzugte Bereitstellung einer bestimmten Anzahl von Wohnungen für Menschen mit Behinderungen, durch besondere Anreize gefördert
  • Schaffung eines Internetauftrittes „Barrierefreies Wohnen in Göttingen“, Aufbau eines Verteilers von Vermietern, die ihren Wohnraum vorrangig Menschen mit Behinderungen zur Verfügung stellen
  • Einrichtung einer Rubrik „Wohnungsmarkt: barrierefreier Wohnraum: Vermietung und Gesuche durch das Göttinger Tageblatt
  • Ins Leben rufen eines Wettbewerbs „Wer vermietet vorrangig an Menschen mit Behinderungen?“ in Kooperation mit Göttinger Medien
  • Schaffen eines Innovationspreis für inklusive Wohnprojekte in Stadt und Landkreis Göttingen
  • Verbindung dieser Vorschläge durch einen leicht auffindbaren Button auf der Homepage der Stadt Göttingen und des Landkreises
  • Berücksichtigung des Aspekts der Inklusion bei allen relevanten Planungsschritten der Verwaltung von vornherein
  • Klärung der rechtlichen Möglichkeiten, wie die Belange der Menschen mit Behinderungen in der Stadt- und Sozialplanung stärker berücksichtigt werden können (Kann eine Sozialquote für Investoren festgeschrieben werden? Können leerstehende Büroräume in Wohnraum für Menschen mit Behinderungen umgestaltet werden? Wie könnten zusätzliche Zuschüsse für notwendige Umbaumaßnahmen zum Beispiel durch die Gründung einer Stiftung oder Crowdfunding aufgebaut werden? Welche Hilfsangebote können die Kommunen bereitstellen? Dazu soll neben anderem zunächst der neue Flächennutzungsplan genau geprüft werden).
Beratung, Information, Vernetzung

Im Rahmen der Veranstaltung wurde deutlich, dass in unserer alternden Gesellschaft die Zahl der Menschen mit Behinderungen zunimmt und damit auch die Zahl der Menschen mit Unterstützungsbedarf. Die Gruppe der zu pflegenden Menschen wird voraussichtlich weiter wachsen, was zusätzliche Angebote an Beratung, Information und Vernetzung verlangt. Die Teilnehmer/-innen forderten daher die Schaffung einer unabhängigen Beratungsstelle, die die Barrieren des gegliederten Sozialsystems und der verschiedenen Leistungsträger überwindet und die Menschen umfassend durch den Dschungel der Hilfsmöglichkeiten führt.

Andreas Südbeck-Bujara, Leiter der AG Wohnen, lädt zur Mitarbeit ein:

Die AG Wohnen zeichnet sich durch ein hohes Maß an Engagement und Willen zur Verbesserung der Lebenssituation von Menschen mit Behinderungen aus. Es gibt so vieles zu tun; deshalb laden wir alle Menschen mit oder ohne Behinderung herzlich ein, daran mitzuwirken. Es macht einfach Freude, die Region inklusiver zu gestalten. Das nächste Treffen findet am 12. Mai 2015 um 16.00 Uhr im Neuen Rathaus, Raum 1118 statt.



Das Recht auf Mobilität – „Behindert ist man nicht, behindert wird man!“

von Katrin Lux und Jochen Krohn

Mobilität ist eine wichtige Voraussetzung für die selbstständige und selbstbestimmte Teilhabe am beruflichen und gesellschaftlichen Leben. Die Definition von Behinderung der UN-Behindertenrechtskonvention berücksichtigt stärker als andere Definitionen die Ganzheitlichkeit der Situation von Menschen mit Behinderung; insbesondere wird die Wechselwirkung von personenbezogenen Faktoren mit Umweltfaktoren hervorgehoben. Nicht ohne Grund heißt es von Seiten der Behindertenrechtsbewegung seit langem „Behindert ist man nicht, behindert wird man!“ Dadurch geraten die Gestaltung der Umwelt und die Normvorstellungen stärker in den Blick – beides Themen, mit denen sich die AG Mobilität beschäftigt!

Arbeitsthemen / Inhalte

Das Ziel ist die Realisierung gesellschaftlicher Teilhabe für alle. Doch auch wir sind realistisch und fangen klein an: Wir beschäftigen uns v.a. damit, den derzeitigen Stand in Stadt und Landkreis zu ermitteln: Dies geschieht über die Erfassung der Barrierefreiheit der kommunalen Verwaltungen, inklusive einer webbasierten Karte. Auch gehen wir den Abbau von Mobilitätsbarrieren im ÖPNV sowie die graphische Darstellung von Informationen zur Barrierefreiheit der Haltestellen und Busse an. Daneben sammeln wir alle Informationen zur räumlichen Barrierefreiheit, die bereits vorliegen und recherchieren die Möglichkeiten barrierefreier Reiseketten und die Voraussetzungen zur Anschaffung mobiler Rampen für Gebäude. Da der Abbau von Barrieren ein gesellschaftliches Thema ist, das nicht nur die Betroffenen angeht, setzen wir uns auch mit Möglichkeiten der Sensibilisierung von mobilitätsrelevanten Berufsgruppen auseinander: Die Verkehrsbetriebe prüfen die Umsetzung von Schulungsprogrammen, bei denen auch ein Mobilitätstraining enthalten ist.


Ausblick

Dies sind kleine Schritte auf dem Weg zur großen Vision. Aufhören werden wir erst, wenn alle Menschen selbstverständlich in den Städten und Gemeinden unterwegs sind und sich überall alleine und barrierefrei bewegen können. letztlich ist es egal, ob ein Mensch gehbehindert, blind, gehörlos oder chronisch erkrankt , mit Kinderwagen unterwegs ist oder aufgrund eines Unfalls in der Mobilität eingeschränkt ist – wir alle brauchen Barrierefreiheit und wir alle haben ein Recht auf Mobilität!

Unser nächstes Treffen findet am 19. Mai 2015 um 16:00 Uhr im Neuen Rathaus, Raum 1118 statt. Alle Interessierten sind herzlich willkommen!


Kultur, Freizeit und Sport

von Tobias Hillebrand

Ein indianisches Sprichwort besagt: „Wenn du merkst, dass du ein totes Pferd reitest, dann steige ab.“ Es ist normal verschieden zu sein. Diesen Satz sollte man kennen, wenn man sich mit Inklusion beschäftigt. Aber wie kann man es schaffen, dass ALLE in der Gesellschaft die Angst ablegen anders zu sein? Wie bringt man Jugendliche dazu zu denken „Wir sind anders als die anderen“ - auch wenn es keine anderen gibt? Nun kommen viele Experten zusammen und diskutieren über Themen wie Barrierefreiheit in Sporthallen und warum Cinemaxx-Besuche Rollstuhlfahrern keinen Spaß machen. Wie kann man es schaffen, dass Jeder an Allem teilhaben kann? Dies war die Frage, die sich viele Menschen am Runden Tisch Stunden stellten. Wie geht man nun so eine einfache und zugleich komplizierte Frage an?

Erst einmal schaut man sich den Ist-Zustand an. Es gibt nämlich schon inklusive Sport- und Kulturangebote, sowie Ferienbetreuung und eine Inklusionslandkarte. Nur ist Göttingen dort leider ein dunkler Fleck. Also was braucht man, um die Situation zu optimieren? Unter Leitung von Tine Tiedemann und Willi Ballhausen erarbeitete die Gruppe einige Punkte wie „Infos“, „spezielle Ausbildung“, „inklusive Leitbilder“ und einige weitere ...

Zum Schluss wurde ein erneutes Treffen vereinbart, in dem man auf die Umsetzung eingehen will. Wir alle wollen ein lebendes Pferd reiten und zu dem Ziel kommen, dass „anders sein“ zur Normalität wird. Interessierte sind bei unseren Treffen herzlich willkommen. Für nähere Infos wenden Sie sich bitte an die Geschäftsstelle Inklusion Bewegen.

Förderung

Bis zum 30.Juni 2015 können Anträge mit den Förderzwecken „Behinderten- und Rehabilitationssport“ sowie „Wohlfahrtswesen“ bei der EAM-Stiftung eingereicht werden. Näheres erfährt man hier:


AG Kita - Schulen

von Nina Zastrow

Von welchen Kindern und Jugendlichen sprechen wir, wenn wir uns Gedanken über inklusive Bildung in Kita und Schule machen? Wäre es nicht wichtig, im Sinne von „Normal ist, verschieden zu sein“ die gesamte Vielfalt in unserer Gesellschaft und damit auch Menschen mit Migrationshintergrund, unterschiedlicher Religionszugehörigkeit usw. in den Blick zu nehmen? Der Projektlogik folgend, werden wir uns in der Arbeitsgruppe schwerpunktmäßig mit einem Ausschnitt - dem gelingenden gemeinsamen Kita- und Schulbesuch von Kindern und Jugendlichen mit und ohne eine Beeinträchtigung - beschäftigen.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der AG verstehen sich als eine Art Denkfabrik/Think Tank. Zum Warmwerden beim Start jedes Arbeitstreffens wird eine „Utopie Inklusion“ gehören – ohne Sparzwänge und politische Denkverbote. Es sollen Defizite benannt (wo fehlt die Haltung zu Inklusion?) und Lösungsvorschläge gemacht werden.

Als wichtiges Instrument im Angebotsdschungel in Göttingen und Umgebung wird der Überblick durch einen Wegweiser benannt. Es wäre hilfreich, von der Wiege bis zur Ausbildung AnsprechpartnerInnen, Institutionen, Beratungsstellen, Vereine... zu verschriftlichen und zugänglich zu machen (visuell, auditiv, mehrsprachig, in leichter Sprache, digital, print...). Zudem wird die Ausgestaltung der Schulbegleitung als ein drängendes Thema der Inklusion identifiziert und sollte unbedingt bearbeitet werden – gerade, weil Schulbegleitungen kommunal finanziert werden.
Wir würden uns sehr freuen, wenn sich mehr Lehrer/-innen aller Schulformen an der Arbeitsgruppe beteiligen würden. Wer Interessierte kennt, kann und möchte sie gerne zur nächsten Sitzung einladen!

Das nächste Treffen ist am 11. Juni 2015 um 16:00 Uhr im Neuen Rathaus, Raum 126.


AG Arbeit

Arbeit ist nicht nur die Basis für finanzielle Unabhängigkeit - auch die soziale Einbindung des Einzelnen hängt entscheidend davon ab. Wege zu einer inklusiven Arbeitswelt zu eröffnen, ist daher Ziel der Arbeitsgruppe. Diskutiert wird über die Verbesserung der Informationsangebote und Beratung für Arbeitgeber, über eine bessere Abstimmung zwischen Behörden und über die Schaffung eine Inklusionsbetriebes. Moderiert werden die Treffen von Judith Hagedorn-Wucherpfennig, Christine Schwiedernoch und Dietmar Linne. Das nächste Treffen findet am 21.05.2015 um 16 Uhr im Neuen Rathaus, in Raum 1118, statt. Interessierte sind herzlich willkommen!

AG Lebenslanges Lernen

Die AG Lebenslanges Lernen beschäftigen alle Bereiche, in denen informelles und formelles Lernen außerhalb der Institutionen KiTa/Schule stattfindet. Ziel ist „Barrierefreiheit bei der Aneignung von Wissen“, egal ob es um berufliches, soziales oder kulturelles Lernen geht. Das berührt die alltägliche Lebensführung und den privaten bzw. familiären Bereich ebenso wie z.B. Freiwilligenengagement. Unter den Überschriften `Infrastruktur´ und `Information´ diskutierte die AG bisher die über physische Barrierefreiheit, die Gestaltung von Bildungsangeboten für alle und eine verbesserte Vernetzung auf der lokalen Ebene. Die Treffen werden von Silke Tollmien geleitet. Weitere Teilnehmer/-innen werden gerne beim nächsten Treffen der AG Lebenslanges Lernen (29.06.2015, 16:00 Neues Rathaus, Raum 114) begrüßt!



„Das erste Mal“

heißt ein Video von Aktion Mensch, das man sich unbedingt angeschaut haben sollte.

Ansprechpartner der AGs

AG Kita/Schule:

Holger Hennings, Tel.: 0551 70 25 80

AG Freizeit:

Tine Tiedemann, Tel.: 0551 64 353

AG Arbeit:

Dietmar Linne, Tel.: 0551 400 2729

AG Lebenslanges Lernen:

Silke Tollmien, Tel.: 0551 48 67 66

AG Wohnen:

Andreas Südbeck-Bujara, Tel.: 0551 30 73 625

AG Mobilität:

Kathrin Lux, Tel.: 0551 39 74 94

Termine

05. Mai 2015, ab 15:00 Uhr

Aktionstag für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung, am Gänseliesel

12.Mai 15, 9:30 – 14:30 Uhr

Auftaktveranstaltung SUSE – Sicher und selbstbestimmt. Frauen und Mädchen mit Behinderung stärken, Ratssaal, Neues Rathaus (Infos: 0551 5311875 oder kontakt@frauen-notruf-goettingen.de)

05. - 07. Juni 2015

workshop contact improvisation, "...alles INCLUSIVe?" ImprovisationstanzKUNST in körperlicher Vielfalt (link: www.dancedancedance.de)

26.-28. Juni 2015

Inklusives Fussballcamp in Potzwenden (link: http://www.inklusives-fussballcamp.de/index.php?id=59)

Klaus Baethge
Geschäftsstelle Inklusion Bewegen (GIB)
Telefon: 0551 / 384 200 850
Fax: 0551 / 506 520 0
E-Mail: K.Baethge@goe-we.de

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